Groß E, wie Erfahrung.

Examenserfahrung wohl eher. Die Planung ist gemacht.

Nun müssen nur noch die „Leichen“ in Form versäumter Abgaben schriftlicher Werke vollends bearbeitet werden, damit alle Scheine bereit zur Abgabe sind. Aber auch das ist machbar.

Danach widmen wir uns verstärkt Miltons „Paradise Lost“ und dem Petrarkismus in der Lyrik Petrarkismus. Wird ein nettes Thema und hoffentlich entspannter als die Lyrik des Symbolismus mit George, Hoffmansthal und Rilke. Zumindest operiert der klassiche Petrarkismus immer nach dem selben Schema. Zusätzlich hat der Prüfer im mündlichen Teil des Examens auch dazu eine kleine Schrift angefertigt um die man sich dann mit den anderen Kombattanten streiten darf.

Aber angeblich alles machber – hab ich mir sagen lassen.

Abgeschlossen

Nach einigen intensiven Tagen an der UB, bei denen ich scheinbar die Liebe zu den dortigen Einzelarbeitsplätzen entdeckt habe, die man nur dann ergattert, wenn man morgens pünktlich zur Öffnung anwesend ist und den Wettlauf durch die dortigen Gänge akzeptabel bewältigt, ist die Zula fertig und abgegeben. Es war mühsam die Seitenzahl annähernd zu treffen und auch die letzten Durchgänge direkt vor Druck ergaben noch Überarbeitungspotenzial, dem auch sofort beizukommen versucht wurde. Man harrt nun der Dinge, die da kommen mögen und versucht sich mit der Tatsache, dass diese lediglich zu 10% ins Stex einfließt zu beruhigen, falls einem mal wieder etwas Spannendes einfällt, das man vergessen hat zu erwähnen.

Schulalltag

FSJlerin krank. Nicht, dass sie sich bereits am Vorabend, oder morgens per Whatsapp bei der zuständigen Kollegin hätte melden können, nein. Erst als sie schmerzlichst zu Unterrichtsbeginn vermisst wird, man ihr hinterher telefoniert, lässt sie verlauten, dass sie krank sei. Kommentar eines Schülers zu meiner Antwort auf seine Frage, wo betreffende Dame denn heute wäre: „Die hab ich aber doch gestern noch abends draußen gesehen“. That’s life. Da noch eine weitere Kollegin der Gemeinschaftsschule krank ist heißt es nun vom Sternzeichen Gebrauch zu machen und seinen bösen Zwilling in einem der Zimmer präsent sien zu lassen. Da die Realität selbstverständlich anders aussieht verlangte es Marschbereitschaft also zwischen drei Klassenzimmern hin und her. Nachteil nicht nur während dem Versuch eine „räumliche“ Persönlichkeitsspaltung auszubilden, sondern auch in der Betreuung der Nachbereitungszeit. Die Zeit von 12-13h darf und muss von manchen Schülern explizit zur Bearbeitung diverser Aufgaben besucht werden. Planmäßig werden im Inputraum 1 die 5. Klässler und im Inputraum 2 die 6. Klässler beaufsichtigt. Da dies aber aufgrund meiner Personalunion des Führers (ja, der muss in diesem Fall sein) von sowohl Klasse 5, als auch Klasse 6 nicht möglich ist, werden alle Kinder ungeachtet deren Reifegrades in ein und denselben Raum gesteckt, gleichmäßig verteilt, auf dass sich keine Grüppchen bilden, nochmals die Regeln für die weiteren 60 Minuten aufs Deutlichste von sich gegeben und dann im guten Gewissen, alle Vorkehrungen zur Unruheprävention getroffen zu haben in den zuvor von einer Kollegin in die Pfoten gedrückten Muffin gebissen. Zum Glück lief alles wie geplant. Diesmal ohne noch jemand zusätzlich mit Strafarbeiten oder Ähnlichem beschäftigen zu müssen. Gut, meist genügte die Drohung, dass sie auch gerne statt bis 13h, bis 16h bleiben dürfen, da sich bereits zwei Kandidaten im Laufe der Woche für diese Termine qualifiziert hatten und es denen bestimmt an Gesellschaft mangele.

Der alltägliche Wahnsinn. Die üblichen Probleme.

„Der Simon hat mir den Mittelfinger gezeigt“ – „Dann zeig ihm deinen auch. Aber doch nicht so, dass ich dich dabei sehe!“ *Kind hält mir seine Hand vor die Augen*

„Jemand hat meinen Tontopf runter geworfen. Das war nicht das erste Mal. Ich hatte ihn extra so ins Regal gestellt, dass das nur absichtlich passieren konnte. Ich bin jetzt echt voll stinksauer“ *Haare in den Nacken werf*, *auf dem m.E. ohnehin für 6. Klässlerinnen viel zu hohen Absatz kehrt mach – ohne auf die Fresse zu fallen*,*Nochmals laut schnaubend davon stürm*

„Welche Seite muss ich für die Strafarbeit abschreiben?“ – „Keine Ahnung. Von wem hast du sie denn bekommen und wofür?“ – „Von Frau XY, aber ich weiß nicht mehr warum und welchen Text ich schreiben soll. Entweder die Schulordnung, Verhalten im Lernatelier, oder Verhalten im Info-Center“ – „Tja, Frau XY ist jetzt leider nicht mehr da. Schreibst das Verhalten in Lernatelier und Info-Center ab, ist in etwa gleich lang wie die Schulordnung und hoffst auf ihr Verständnis.“ – „Und wenn das falsch ist?“ – „Joah, Pech gehabt. Hättest dir mal besser aufgeschrieben, was du machen sollst.“ – „Aber dann hab ich das ja voll umsonst gemacht!“ – „Ach ja? Ich sagte vorhin, wer seine Arbeitsmaterialien nicht mit hat und nicht weiß, was er in der Nachbereitungszeit machen soll, dem werd ich eine Aufgabe geben.“

„Ich kann aber heute nciht bis um eins bleiben. Ansonsten komm ich erst um zwei nach Hause. Und ich hab um halb drei nen Zahnarzttermin.“ – „Joah, und wie lang brauchst zu deinem Zahnarzt?“ – „Zwanzig Minuten glaub.“ – „Na das passt doch dann.“ – „Aber dann kann ich doch gar nix mehr essen!“ *panisch* – „Und der Zahnarzt soll dir dann zwanzig Minuten später das Futter wieder aus den Zähnen raus popeln?“ – „Och Menno!“

„Boah! Warum muss ich länger bleiben?“ – „Weil du deine NWA-Sachen nicht rechtzeitig fertig gemacht hast.“ – „Doch hab ich voll. Hab das gestern abgegeben.“ – „Die Kollegin ging vorhin nochmal rum und hat alle ihre Fächer kontrolliert. Wenn deine Sachen bis dahin nicht da waren, landest auf der Liste und bleibst bis eins.“ – „Aber das kann nicht sein. Gucken sie doch. Da liegt meins noch.“ – „Dann war’s wohl zu spät.“ – „Aber kann ich das nicht noch irgendwie anders machen? Kann ich nicht was zuhause extra arbeiten?“ – „Nope. Ich krieg nur die Liste, wer da bleiben muss. Alles andere entscheide ich nicht.“

Hach ja, Kinder machen so viel Spaß *hrhrhr*

Zur Rethorik des Unaussprechlichen in Mechthild von Magdeburgs „Fließendem Licht der Gottheit“

So lautet der Titel der Zulassungsarbeit. Abgabetermin am 23. März. Um diesem Thema Herr zu werden finde ich mich nun bereits seit geraumer Zeit in den Bibliotheken der Eberhard-Karls Universität ein. Es finden sich Untersuchungen zum Umgang mit volkssprachlicher Frauenliteratur im 13. Jahrhundert. Besonders im Hinblick auf das Spannungsfeld zwischen Latein und Deutsch. Zumal Mechthilds Werk als wichtig genug eingestuft wurde um frühzeitig, wahrscheinlich noch gegen Ende ihres Lebens, ins lateinische übersetzt („Lux divinitatis“). Mechti selbst war des Lateins ihres Eingeständnisses zufolge ja nicht mächtig. Aufgrund ihrer guten weltlichen Bildung geht man aber davon aus, dass sie aus gutem Hause, evtl sogar aus dem Hochadel stammte. Darüber hinaus war ihr das höfische Leben vertraut, weswegen sie einige Teilnehmer dessen gerne in ihrem Werk kritisiert und sich der höfischen Sprache und Bilder in ihrer Minne bedient. Ebenso kritisiert sie auch den Klerus, der sich vom eigentlichen Glauben ihrer Meinung nach entfernt habe. Die Reclamausgabe wartet leider nur mit Auszügen auf. Gisela Vollmann-Profe hat allerdings auch noch eine mehr oder minder vollständige Übersetzung herausgegeben. Mehr oder minder nur, weil manche Teile als verschollen gelten. Die einzige Überlieferung ist die oberdeutsche handschriftliche Übertragung eines zuvor niederdeutschen Originals in der Stiftsibliothek Einsiedeln. Von dieser geht Vollmann-Profe aus. Ebenso gibt es die Version von Margot Schmidt, die zu einigen Teilen auf den Ergebnissen Hans Neumann fußt. Inwiefern sich diese Unterscheiden, wird sich noch herausstellen. Die Einführung von Schmidt liest sich jedenfalls sehr angenehm und es finden sich natürlich wieder einige Verweise auf bereits bekannte Herrschaften, die sich mit der Thematik ebenfalls auseinandergesetzt haben. Grete Lüers hat im ersten Drittel des vergangenen Jahrhunderts die Sprache der deutschen Mystik unter die Lupe genommen und trotz einiger neuerer Forschungen wird sich immer noch gerne auf Lüers berufen. Wie sich Mechtis Verwendung höfischer Bilder und, an das Hohelied erinnernde, Minnelyrik verwendet wird, so gibt es auch die Orchideen der Sprachwissenschaft zu finden. Eine Dissertation, die die stellenweise verwendete Alltagsmetaphorik ihren Handwerken zuordnet. Und dafür gab es einen akademischen Grad. Immerhin ein Lichtblick. Eventuell sind die Ansprüche des betreffenden Dozenten an meine Zulassungsarbeit ähnlich.

Das Hohelied und dessen Exegese haben bereits viele Köpfe beschäftigt. Als Grundlage dient der vierfache Schriftsinn. In der Liebeslyrik und besonders der Mystik hat dieses Werk viel Inspirationsarbeit geleistet und rechtfertigt ebenso die Erotisierung des gesamten Prozesses und der angestrebten Vereinigung mit Gott. Die unio mystica stellt das Ziel allen Bestrebens dar. Die Seele strebt nach der Vereinigung mit Gott und antreibende Kraft hierbei ist die Gottesliebe. Alles weltliche tritt aus dem Wahrnehmungsraum heraus und wird hinter sich gelassen, da das Streben einem höheren Ziel dient. Mechti berichtet auch, wie sie ihres Leichnams müde ist- das Fleisch ist ja bekanntermaßen schwach. So kommt es auch vor, dass man mit seinem Körper hart ins Gericht geht und sich selbst straft. Allerdings stellt Uta Störmer-Caysa in ihrer Einführung in die Mystik ebenfalls heraus, dass Kasteiung des Leibes eine Sache ist, führt diese aber zum Tode begeht man eine Sünde. Wo viele Mönchsorden ganz der vita activa verfallen, braucht der Mystiker mehr Ruhe und Achtsamkeit, die vita contemplativa. Wie das Gebet in Stille statt findet, so wird davon ausgegangen, dass auch ein Zwiegespräch mit Gott nur in Stille möglich ist. Mechti hat aber versucht diesen Weg für Jeden zugänglich zu machen, indem sie angibt, dass ihr Werk neunmal gelesen werden soll, damit es verinnerlicht wird. Sie versucht mit volkssprachlichen Worten und Bildern ihrem Erfahrungshorizont für Andere erfahrbar zu machen. Die kräftigen Allegorien, derer sie sich bedient lassen ihre bisweilen meditativ anmutenden Texte fassbarer werden und Spannung aufbauen (Vgl. Niklaus Largier – Zur Rethorik des Begehrens). Doch am Höhepunkt, der Vereinigung gebricht ihr die Sprache. Dies ist kein Einzelfall. Es scheint Bereiche zu geben, für die es keine Beschreibung in Worten gibt, an dem jede Allegorie scheitert. Bei den Mystikern enden diese Erfahrungen des Vereinigung im Schweigen.

Und genau das werde ich jetzt ebenfalls tun. Genug für heute und gute Nacht 😉

Bildungsgespräch – Erdbeben in Chili

Heinrich von Kleists „Erdbeben in Chili“, ein Buch, dessen Existenz völlig an mir vorüber ging war heute Gegenstand eines 3 stündigen Bildungsgesprächs mit einem Erstsemesterchen mit den Studienfächern SozPäd und Deutsch. Sie möchte Berufsschullehrerin werden. Ein reizendes Ding. Hergestellt wurde der Kontakt durch eine Kollegin – ihre Mutter –  und meiner Unfähigkeit Gelegenheiten mit Ratschlägen um mich zu werfen auszulassen. Bis heute, so gegen 12h hatte ich nicht einmal mehr an das vereinbarte Treffen gedacht. 16h an der Universitätsbibliothek war der Plan. Allerdings war mir nach der Physiotherapiesitzung und dem schlechten Schlaf nachts so gar nicht danach jemandem bei seiner Hausarbeit zu helfen. Noch dazu über ein Thema, von dem ich nicht den leisesten Schimmer hatte. Also war der Plan sich zuhause ein wenig aufs Ohr zu hauen und in der verbleibenden Stunde nach dem Nickerchen mit der Raumtheorie Lotmans und dem Inhalt Kleists „Erdbeben in Chili“ auseinanderzusetzen. Dann noch schnell für das Blind Date mit der Dame die „rote Rose ans Knopfloch geheftet“ und ihr das Erkennungsmerkmal elektronisch mitgeteilt, damit wir nicht vor der Bibliothek unerkannt aufeinander warten. Als Grundlage diente der Wikipediaartikel zu Kleists Novelle und durch kurzes gegoogle aufpoliertes Wissen um Lotmans Raumtheorie. Lotmans Raumtheorie ist eine Erzähltheorie in der Tradition von Ferdinand de Saussures Strukturalismus.

Für Lotman ist das Ereignis die kleinste unzerlegbare Einheit des Sujetaufbaus. Klar soweit.

Ein Ereignis im Text ist die Versetzung einer Figur über die Grenze eines semantischen Feldes
(Lotman 1972, S. 332)
Es geht immer um Grenzen. Räumlich, zeitlich, gesellschaftlich, auch können Neurosen des Individuums als solche Grenzen gesehen werden. Grenzen trennen Bereiche/ Phasen/ Systeme von einander ab. Die Sprache bildet den Raum ab. Hierbei spielen topologische Relationen eine Rolle (hoch vs. tief, rechts vs. links, oben vs. unten, innen vs. außen) – eine Arte binäres Oppositionsmodell. Der Raum wird durch Strukturen geordnet und begrenzt. Der Raum beschriebt hierbei immer die Beschaffenheit des Systems, die „Korrelation der Elemente untereinander und ihre Beziehung zum Strukturganzen“ (Andreas-Grisebach, Manon: Methoden der Literaturwissenschaft, München 1982, S.103).
Der Raum in dem sich „Das Erdbeben in Chili“ abspielt wird zu Beginn kurz und knapp eingeführt. Die Stadt St. Jago im Königreich Chili (etwaige Verwechslungen mit real existierenden Orten sind… naja… gewollt). Der Leser wird direkt ins Geschehen geworfen. Nachdem er kurze Angaben über Zeit und Ort erhalten hat, erfährt er, dass Jeronimo in seinem Gefängnis Selbstmord begehen möchte. Da der Leser bis zu diesem Zeitpunkt noch keinerlei Idee hat, wer dieser Jeronimo denn sein könnte, wird seine Geschichte in einem kurzen und knappen Flashback festgehalten:
Der Leser erfährt, dass der im räumlich begrenzten Gefängnis sitzende Bürgerliche, Jeronimo, einst Lehrer war, mit seiner adligen Schülerin wider der Empfehlungen ihres Vaters ein „liebevolles Einverständnis“ hatte, er daraufhin gekündigt und die Schülerin Josephe ins Kloster gesteckt wurde, dort jedoch entgegen aller Besserung im Klostergarten mit Jeronimo ein Kind zeugte, dieses mittlerweile geboren wurde und sich in der Obhut der Äbtissin befindet, Josephe zum Tode durch Enthauptung auf Bitten der Äbtissin beim Vizekönig „begnadigt“ wurde und ihre Hinrichtung unmittelbar vollzogen werden sollte und der arme Jeronimo nicht weiter weiß, als für das Wohl seiner Geliebten zu beten und sich angesichts der Lage das Leben zu nehmen.
Durch diesen Flashback wird der Leser an das Geschehen heran geführt und, um so wichtiger, lernt er Jeronimo, die Gründe für seine aktuelle Situation und seine Emotionen kennen. Hierdurch wird Sympathie beim Leser hervorgerufen und das Spannungselement entwickelt. Die Identifikation, oder auch nur die Sympathie zu den Charakteren ist bereits bei Aristoteles essenziell für die Emotionsentwicklung während des Erfolgs oder des Scheiterns der Charaktere. Ohne eine Verbindung des lesenden Äußeren mit dem handelnden, oder in der klassischen griechischen Tragödie vom Schicksal gebeutelten, Inneren, ist die Läuterung, die Katharsis, die von Hochmut und all ihren unangenehmen Begleiterscheinungen befereien soll, nicht möglich.
Nachdem also die Beziehung zwischen dem Leser und dem Inhalt hergestellt wurde, geschieht das Erdbeben, welches Jeronimo die Flucht aus dem Gefängnis ermöglicht. Nahezu hilflos und blind versucht er einen Weg aus der im Chaos versinkenden Stadt zu finden.
Für weitere Infos: Wikipedia Artikel Chili
Aristoteles Schrift „Poetik“ lehrt ausrdücklich, wie ein gelungenes Werk aufgebaut sein soll um seine Wirkung nicht zu verfehlen. Diesen Anweisungen nach darf nicht gezeigt werden, wie einem schlechten Menschen etwas gutes widerfährt (dies wäre nicht angemessen), ein guter Mensch vom Glück ins Unglück kommt (dies möchte keiner sehen/lesen und es wäre verwerflich einem guten Menschen schlechtes widerfahren zu lassen), oder einem schlechten, unglücklichen Menschen noch mehr Unglück zuteil werden lassen (dies wäre unmenschlich).
Die einzige Lösung ist also, dass einem guten Menschen ein Unglück durch einen Irrtum widerfährt. Und was würde sich zum irren mehr eignen, als die Liebe. Ein unbeeinflussbares Etwas, das auch gerne an Orten entsteht, an denen sie nicht sein sollte. Sie achtet keine Standesgrenzen oder Verbote. Diese machen es meist nur attraktiver.

Das Erstsemesterchen wollte beim ersten Treffen gerne das Werk im Hinblick auf den christlichen Glauben untersuchen. Hierzu wurden Überlegungen angestellt, wo sich etwas im Glaube der Protagonisten oder der Gesellschaft wann ändert, wie dieser die jeweiligen Leben beeinflusst, wo Parallelen zu anderen Geschichten bestehen, und was evtl. kritisiert wird.

So kommt man vom Bild des liebenden vs. strafenden Gottes zum Theodizeeproblem und somit zu Geschichten von Ninive, Babylon und Sodom. Vom Vater, der den eigenen Sohn „opfert“ (Jeronimo wird von seinem Vater mit einer Keule erschlagen) zu Gott selbst, wie er seinen Sohn zum Wohl der Menschheit opfert, der Prüfung, der er Moses unterzieht, etc. Von der Keule könnte man nun auch Überlegungen anstellen, dass diese, das Bürgertum symbolisierende Waffe maskulinere Eigenschaften hat, als das Bajonett des Adels (auch Herakles wird gerne mit der Keule dargestellt, was man schön an den unzähligen Plastiken in Wien sehen kann) ob diese Tötung nun eher als Sieg des männlicheren Vaters über den Standesgrenzen missachtenden Sohn ist, der somit auch als Symbol für die alte Ordnung einer unaufgeklärten Zeit steht, einem patriarchalischen „Extrem“.

Auch drängt sich die Frage auf, ob der christliche Glaube in seiner dargestellten Form für eine aufgeklärte Gesellschaft von Nutzen ist, da das Paradies in Kleists „Erdbeben in Chili“ eine ideale Gesellschaft zeigt, die frei von Standesunterschieden in Frieden lebt, bevor sie vom Glauben geleitet zurück in die Stadt drängt. Ebenso lassen sich Vermutungen anstellen, inwiefern gemeinsam erlebtes Leid zusammen schweißt und Unterschiede aufhebt. Zur oben erwähnten idealen Gesellschaft drängt sich natürlich auch Platons Atlantis auf. Eine Utopie, die ebenso durch Naturgewalten erschüttert wurde und letztendlich versank.

Bisher lässt sich wohl anmerken, dass in dem kleinen Reclamheftchen weit mehr steckt, als man auf den ersten Blick vielleicht vermuten mag.
Das nächste Treffen steht ins Haus, mal sehen, welche Ideen diesmal angedacht werden.

Neuer Versuch

Gestern unterhielt ich mich mit meinem Freund und dabei kam zur Sprache, dass jeder von uns einen Blog besäße. Natürlich sind diese Blogs schon etwas älter. Beim Lesen fühlt man sich fast schon ein wenig peinlich berührt, was man in welchem – nennen wir es mal – „Lebensstadium“ für relevant genug erachtete, es niederzuschreiben und in die Weiten des Internets zu schicken. Wie der Titel bereits verrät ist dies somit ein neuer Versuch. Der Alte war mir wohl einerseits zu unangenehm, um ihn einfach weiter zu führen und darauf aufzubauen. Stattdessen wir die Adresse still und heimlich verwahrt, wie eine „dunkle Vergangenheit“ an die man sich nur ungern erinnert. Aber um nun der Neugier des Lesers entgegen zu wirken, es steht wirklich nur random shit drin. Keinerlei Kontinuität, keinerlei Relevanz. Zumindest von meinem heutigen Standpunkt aus. Selbstverständlich waren es Dinge, die in meinem Leben vor sich gingen, aber nichts davon war von solcher Tragweite, als dass es würdig wäre dauerhaft als Basis zu verweilen. Daher halte ich es mit einem der vermutlich ausgelutschtesten (existiert davon ein Komparativ!?) Zitate, die der deutsche Sprachraum wohl kennt:

„Jedem Anfang wohnt ein Zauber inne.“ – Hermann Hesse

Es scheint so, als wolle Herr Hesse über die Mühen des Neuanfangs hinweg täuschen. Aber nein, soviel Pessimismus  muss natürlich nicht sein. Eigentlich liegt sein Augenmerk lediglich auf den Vorzügen, die eine Neuanfang mit sich bringt. Und wer kann ihm das schon verdenken. Da wäre wohl ein anderer großer Kopf zu bemühen, der wohl auch bemerkt hat, dass Neuanfänge großartig sind. Deswegen hat er es wohl immer und immer wieder gemacht:

„Mit dem Rauchen aufzuhören ist kinderleicht.

Ich habe es schon hundertmal geschafft.“ – Mark Twain

Ja, ein bisschen Schmunzeln muss schon drin sein. Zuviel Pessimismus, teils schon zuviel Realismus ist ja bekantermaßen äußerst schlecht für den Teint. Und so belassen wir es nun bei den einführenden Worten und sind gespannt, wo uns der neue Blog hin führen mag.